Ahrntal Teil 2

Teil 2 meiner dreitägigen Reise nach Südtirol

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Am nächsten Morgen bin ich etwas später aufgestanden, der Vortag steckte mir irgendwie noch in den Knochen. Der Blick aus dem Fenster zeigte eine beeindruckende Bergkulisse mit frisch verschneiten Gipfeln. Endlich gutes Wetter. Schnell zog ich mich an und ging hinunter in den Gastraum, wo schon Helene mit dem Frühstück wartete.

 

Natürlich hatte sie auch wieder einige Tipps parat, was ich mit dem letzten Tag so anfangen konnte. Schlussendlich entschied ich mich dafür, mit der Seilbahn zum Speikboden zu fahren und dorte über einen Höhenweg zu einer kleinen Alm zu wandern.

Speikboden mit Schnee Ahrntal Südtirol
Speikboden mit dem ersten Schnee

Die Speikbodenbahn ist schnell erreicht und die Preise für die Bergfahrt sind akzeptabel. Normalerweise fahre ich nicht  mit Seilbahnen, mir fehlt der Reiz die Höhenmeter aus eigener Kraft geschafft zu haben. Außerdem sind die  Berge mit Seilbahn immer überlaufen. Da das Thermometer im Auto aber 5°C anzeigte, war das Risiko auf Menschenmengen zu stoßen, wohl eher gering.

 

Meine Jacke war  über Nacht nicht ganz getrocknet und noch ziemlich klamm, aber es würde schon gehen. Als ich am Gipfel aus der Godel ausstieg, pfiff mir schon ein eisiger Wind entgegen. Hier war eindeutig schon Winter. Eine dünne Schneeschicht lag über dem felsigen, vereisten Boden. Innerlich verfluchte ich mich dafür, keine Mütze oder Handschuhe mitgenommen zu haben.

 

Als aber die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken kamen, war ich wieder hoch motiviert, packte die 600D aus dem Rucksack und schoss ein paar Fotos. Tolle Stimmung - dieser Übergang vom Herbst in den Winter.

 

Schnell fand ich einen Hinweis auf den Höhenweg. Nach fünfzig Metern war klar, dass heute Trittsicherheit gefragt ist. Ich war sehr hoch (über 2000 Höhenmeter) und das Gelände war steil und felsig. Der Weg war ein schmaler Grad und links und rechts ging es steil bergab. Die Felsen, über die der Weg führte, waren mit Schnee bedeckt und rutschig.

Höhenweg am Speikboden Ahrntl Südtriol
Höhenweg am Speikboden

Langsam ging ich weiter. Die Landschaft ist wirklich sehr beeindruckend und das schöne Wetter heute entschädigte für den gestrigen Tag. Natürlich war es kalt, wozu auch die feuchte Jacke und der Wind, der immer noch ziemlich schnell über die Gipfel pfiff, beitrug. Aber nach ein paar Metern würde mir schon warm werden. Ich war noch nicht weit gekommen, als ich mich umsah, um die Aussicht zu bestaunen. Der Anblick hinter mir verschlug mir die Sprache.

 

Es waren jedoch weniger die Berge, die zu sehen waren, eher die tiefschwarzen Wolken darüber. Hinter mir war in wenigen Minuten ein beeindruckender Sturm aufgezogen.

Ich zögerte kurz, ob ich weitergehen oder umkehren sollte. Die sich rasch nähernden Wolken nahmen mir die Entscheidung schnell ab, denn unter ihnen verschwanden die Gipfel und Berge in einem diesigen, nebligen Weiß. Ein ordentlicher Schneesturm. Beeindruckend so etwas hatte ich noch nie gesehen. Aber damit war klar, ich musste zurück, ich war nicht dafür ausgerüstet hier zwischen den Felsen einen Schneesturm abzuwarten.

 

Etwa auf halbem Weg zurück zur Bahnstation erwischte mich der Sturm. Der Wind drückte die Schneeflocken so fest gegen mich, dass ich nach wenigen Metern komplett in Weiß gehüllt war. Meine Finger waren eiskalt. Umkehren war eine gute Entscheidung. Neben der Seilbahn gab es eine kleine Hütte. Nichts wie rein ins Warme dachte ich.

Matthias Schreyer auf der verschneiten Speikboden Hütte
Ich an der Hütte

 

Nachdem ich eine winzige Tasse Tee für stolze 4,70 zwischen meinen kalten Fingern hatte, stand fest, Umkehren war die beste Entscheidung seit langem. Ich trank den Tee und beobachtete, wie der Sturm draußen langsam abnahm. Man konnte direkt sehen, wie die Wolken weiterzogen.

Eine halbe Stunde später blitzte die Sonne schon wieder durch die Wolken.

 

Es war kurz vor Zwölf. Eigentlich hatte ich noch den ganzen Tag Zeit, aber ich war wieder nass, mir war kalt und irgendwie war die Luft raus. Also ging ich zur Gondel, kaufte mir ein Ticket für die Talfahrt und beschloss nach Hause zu fahren.

 

 Im Auto drehte ich die Heizung erstmal auf die Höchststufe und auch dann brauchte es eine Zeit bis ich mich wieder aufgewärmt hatte. Meine Kleidung war so nass, dass die Scheiben anfiengen, zu beschlagen.

 

Die Heimfahrt war von diversen Staus geprägt (Grenzkontrollen….), die gaben mir Zeit das Wochenende noch einmal Revue passieren zu lassen. Ich musste unweigerlich grinsen. Es war auf jeden Fall nicht langweilig.

Mein Fazit zum Ahrntal, eine tolle Gegend mit schöner Landschaft. Touristen habe ich sehr wenige gesehen, das würde ich aber eher auf das Wetter schieben. Ich werde wiederkommen, mit Winterkleidung und hoffentlich besserem Wetter.

 

Speikboden Gipfel  Ahrntal Südtirol
Blick vom Gipfel aus