Winterwanderung in Ruhpolding

Wanderung durch die verschneiten Berge

Es war ein kalter Morgen, ein wirklich kalter. Als der Wecker klingelte, war ich mir sicher, dass es zu früh ist. Eigentlich ist es für mich immer zu früh. Heute gab es aber ein paar gute Gründe aufzustehen. Ich hatte frei, die letzten Tage hat es geschneit und für heute war strahlender Sonnenschein angekündigt worden.

 

Das gute Wetter wollte ich nutzen und eine kleine Wanderung unternehmen. Also ab in die Wanderbekleidung, den Rucksack und die Kamera eingepackt und los zum Auto. Da tauchte auch das erste Problem auf, denn das ganze Auto war ein Eisklumpen. Nachdem ich eine gefühlte Ewigkeit damit verbracht habe, die Scheiben frei zu kratzen, war mir schon ziemlich kalt.

 

Wie sich herausstellte war das kein Wunder, das Thermometer zeigte unter minus 15 Grad. Erste Zweifel kamen auf und die Lust mich einfach wieder ins warme Bett zu legen.

 

Nebelschwaden über dem Waginger See
Waginger See

Die Sonne stieg schon über die Hausdächer und solche Bedingungen kommen so schnell sicher nicht wieder. Es ging also Richtung Ruhpolding. Ursprünglich wollte ich zum Frillensee bei Inzell gehen, der kälteste See in Mitteleuropa, aber aufgrund der Temperatur entschied ich mich für eine andere Strecke.

 

War schließlich auch so schon kalt genug. Meine Entschlossenheit wurde schon in Waging belohnt, als die Sonne auf den See schien und über dem Wasser die morgendlichen Nebelschwaden aufstiegen. Der Anblick war wirklich beeindruckend. Alles war noch so ruhig und unberührt.

minus siebzehn Grad in Ruhpolding

Nachdem ich den Ausblick genossen und ein paar Bilder davon gemacht hatte, fuhr ich weiter. Gegen neun Uhr erreichte ich den Parkplatz am Holzknechtmuseum in Ruhpolding. Das Thermometer zeigte jetzt -17,5°C an. Kann mich nicht erinnern, wann es das letzte Mal so kalt war.

 

Nachdem die Kameras verstaut und ich warm angezogen war, ging ich los zur Keitlalm. Die Tour ist sehr kurz, im Sommer braucht man nur eine Stunde, aber im Winter bei Schnee zieht sich der Weg. Die Landschaft war unglaublich schön, in der Nacht hatte es noch kräftig geschneit und der Neuschnee bedeckte alles wie ein riesiges, ebenmäßiges weißes Tuch.

Matthias Schreyer im Schnee
Ich im Schnee

Die ersten Meter habe ich noch gefroren, aber nach dem ersten Anstieg war das vorbei. Vor mir waren offensichtlich kaum andere Menschen unterwegs gewesen, sodass ich mich durch etwa zwanzig Zentimeter Neuschnee kämpfen musste. Hier sind gute Schuhe auf jeden Fall Gold wert.

 

Ich folgte einer Skispur, in der ich gut voran kam und nicht so tief einsank. An der ersten Kreuzung zweigte sie jedoch von meiner Strecke ab. Mist. Vor mir lag eine unberührte Schneedecke, unter ihr, mein Weg. Ein paar Meter habe ich es versucht, aber es war zu mühsam. Ich sank einfach zu weit in dem lockeren Schnee ein, er fiel mir schon oben in die Schuhe.

 

Das hatte keinen Sinn. Ich drehte also um und folgte wieder den Spuren des Touren-Ski- Gehers. Ein Schild, wohin der Weg führt, gab es nicht, manchmal jedoch, muss man sich überraschen lassen.

Sonne über den Bergen von Ruhpolding
Sonne über den Bergen

Der Weg ging stetig bergauf und mir wurde schon gut warm. Die Sonne schien durch die Baumwipfel und brachte den Schnee zum Glitzern. Nach einiger Zeit machte ich eine kurze Pause und trank etwas Tee. Der war dank der neuen Thermoskannen noch richtig heiß. Das war auch gut, denn sobald ich mich nicht bewegte, spürte ich regelrecht, wie die Kälte durch die einzelnen Kleidungsschichten kroch.

 

Ich ging weiter und folgte die ganze Zeit der Skispur, die Landschaft war toll, vor allem, wenn durch den winterlichen Wald wieder ein verschneiter Gipfel zum Vorschein kam. Aber ein richtiges Ziel war nicht auszumachen, die ganze Zeit über war nicht ein Wegweiser zu sehen.

 

Nach kurzer Zeit folgte die Skispur dem Weg bergab in ein Tal, das sich in einiger Entfernung zu öffnen schien. Mir kam der Gedanke, dass der Weg nach Inzell führen könnte, die Richtung müsste ungefähr stimmen und auch von der Entfernung könnte es passen. Da ich aber schon eine Zeit unterwegs war und es schon Mittag wurde, beschloss ich, umzukehren.

 

Hunger hatte ich auch schon, zwar wartete im Rucksack eine leckere Brotzeit auf mich, aber es war zu kalt, um stehen zu bleiben. Langsam kam auch etwas Wind auf und ich musste mich wieder bewegen, um nicht zu frieren.

Winterlandschaft in Ruhpolding
Winterlandschaft

Der Rückweg ging schneller, als ich erwartet hatte, wenn man friert ist man sehr motiviert, schnell zu gehen, damit es warm wird. Kurz vor dem Parkplatz kamen mir zum ersten Mal andere Menschen entgegen, die allerdings eher so aussahen, als würden Sie nur eine kleine Runde durch den Schnee drehen.

 

Ich erntete einige verwunderte Blicke, lag wahrscheinlich an der großen Kamera und dem großen Rucksack und vielleicht auch daran, dass ich bis zu den Oberschenkeln Schnee an der Hose hatte. Tja für ein gutes Foto muss man sich eben ins Zeug legen.

 

Etwas schade fand ich, dass ich kein richtiges Ziel erreicht habe, irgendwie fehlt da einfach etwas. Die tolle Landschaft und die entstandenen Fotos entschädigen aber dafür.