Wie wurde ich Fotograf?

Wie ich zum Fotografieren gekommen bin

Es war ein kalter Samstagabend - irgendwann im Januar. Meine Freundin stand gerade vor dem Kleiderschrank, ich lag auf dem Bett und betrachtete die Holzdecke. Ich hörte, wie sie die Kleider im Schrank lautstark hin und her schob.

 

Sie wollte heute mit einer Freundin ausgehen, mir war langweilig und ich hatte keine Pläne für den Abend. “Ich hab nichts zum Anziehen…” Das war mein Stichwort. Um dem immergleichen Kleidungsgespräch aus dem Weg zu gehen, ging ich ins Wohnzimmer und begann damit meinen Schreibtisch aufzuräumen.

 

Nach ein paar Minuten hielt ich meine alte Kamera in der Hand. Es war die erste digitale Spiegelreflexkamera, die ich mir noch in einer Ausbildung gekauft habe. Eine Canon EOS 1000D. Ich kann das Schmunzeln einiger Kamera erfahrener Leser fast sehen, während ich das schreibe.

 

Es war eine Einsteiger DSLR, mit sehr eingeschränktem Funktionsumfang und dem fast schon berühmten EFS 18-55 Kit Objektiv.

Faszination

Matthias Schreyer als Kind mit einer günstigen Kamera
als Kind mit einer günstigen Kamera

Fotografie hatte mich irgendwie mein Leben lang begleitet, wenn auch in unterschiedlich stark ausgeprägter Art und Weise. Begonnen hatte alles mit meiner Mutter, die eine begeisterte und wirklich talentierte Fotografin ist. Sie hatte  mir schon sehr früh die Grundlagen der Fotografie beigebracht. Damals wurde noch mit Gefühl und Film fotografiert.

 

Die Einstellungen an der Kamera mussten alle von Hand vorgenommen werden. Das ergebnis sah man erst nach ein bis zwei Wochen; wenn das entwickelte Bild aus dem Labor gekommen war. Das war die erste Phase der Fotografie: Faszination.

 

Meine ganze Kindheit hindurch habe ich immer fotografiert. Irgendwann kam dann die erste digitale Kamera, soweit ich mich erinnere eine Bridge Kamera von Canon. Mit 16 oder 17 habe ich mir dann sehr spontan die Canon EOS 1000D gekauft, informiert habe ich mich nicht wirklich, sonst wäre die Wahl womöglich anders ausgefallen.

Ernüchterung

Die digitale Fotografie bietet eine Fülle an Möglichkeiten und aus Faszination wurde Begeisterung. Genauer mit der Technik beschäftigt habe ich mich aber ehrlich gesagt nicht. Ich habe meist in der Bildautomatik fotografiert und die Bilder als unbearbeitetes JPEG direkt out of Camera verwendet. Auch wenn ich ein paar Jahre lang nirgends ohne die Kamera hinging, die guten Bilder waren eher selten und warum sie gut sind, hätte ich nicht erklären können.

 

Dadurch stellte sich eine Ernüchterung ein, die dazu führte, dass die Kamera immer öfter Zuhause in der Schreibtischschublade verweilte, statt da, wo sie hingehört, in meiner Hand. Bis sie eben wieder in dieser landete. An dem oben beschriebenen Samstag im Januar. Statt Zuhause zu sitzen, wollte ich Fotografieren gehen.

Neuanfang

Die spontane Idee war eine Nachtaufnahme von Burghausen mit den beleuchteten Straßenzügen und der Burg. Ich überlegte und kam zu dem Schlussb dass ich das Bild von der Kümmernis aus machen wollte. Das schien mir eine gute Idee zu sein. Ein Stativ hatte ich mir sogar einmal gekauft, benutzt hatte ich es zwar eigentlich nie, aber nach ein paar Minuten lag es einsatzbereit vor mir.

 

Die Fotos, die an diesem Abend entstanden, waren so schlecht, dass ich immer noch voller Scham versuche, die Erinnerung daran zu verdrängen. Bedeutsam war aber die Einsicht, dass ich, um passable Fotos machen zu können, verstehen musste wie die Kamera funktioniert. Wie man bestimmte Situationen fotografiert und vor allem, warum man es so macht.

Matthias Schreyer der Fotograf
Fotografieren ist meine Leidenschaft

Leidenschaft

An diesem Abend wurde ich zum Schüler, ich kaufte Bücher, durchforstete das Internet und begann Fotografie zu lernen. Ich habe alle alten Bilder von mir durchgeschaut, genau analysiert, warum das Bild so aussah und was ich besser machen könnte. Nachdem ich die Grundzüge verstanden hatte, war klar, dass ich mich auch mit der Bildbearbeitung beschäftigen muss.

 

Es folgten Recherchen über Kameras, Objektive, Zubehör, Bildbearbeitungssoftware und allem Anderen, was mit Fotografie zu tun hat. Seitdem hat sich viel verändert, mein Equipment ist in den letzten Jahren stark gewachsen und die Wunschliste wird schneller länger, als etwas gestrichen wird.


Das Ziel

Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch, wenn ich mir ein Ziel gesetzt habe, will ich es auch erreichen. Mein Ziel in der Fotografie ist einfach, ich will der beste Fotograf werden, so einfach das Ziel zu formulieren ist, so schwer ist es zu erreichen. Je mehr ich lerne, umso klarer wird mir, dass der Weg noch sehr lange sein wird.

 

Nach meiner Einschätzung habe ich weniger Talent, als andere Fotografen, die ich kenne, aber ich bin auch bereit, härter zu arbeiten als sie. Talent wird überbewertet. Denn ich bringe etwas Anderes mit. Aus der kindlichen Faszination wurde Begeisterung, die sich jetzt weiterentwickelt hat. Fotografie ist meine Passion geworden.

 

Mit jedem guten Bild wächst der Wille, ein noch besseres zu machen.