Ahrntaler Jakobsweg

Gastartikel

Nebel über dem Krimmler Achental
Krimmler Achental

Im nächsten Jahr wollen wir den portugiesischen Jakobsweg gehen, aber zur Einstimmung schon

mal einen kürzeren zu gehen, klingt verlockend.

 

Startpunkt ist in Krimml. Endpunkt in Bruneck.

Somit bietet sich die Anreise mit der Bahn an. Los ging es in Salzburg, in Zell am See wechselt man auf die Pinzgaubahn, die am selben Bahnhof losfährt. In Krimml kommt man weit außerhalb an, aber die Postbushaltestelle liegt direkt vor dem Bahnhof.

 

Es regnet und wir sind froh, dass man am Parkplatz Wasserfälle noch umsteigen kann in ein Hüttentaxi. Das darf zwar am Nachmittag nur bis zum Wasserfall 3 hochfahren, aber immerhin.

 

Also Regenumhang übergezogen und losmarschieren. Die Landschaft ist wirklich schön, allerdings hängen die Wolken sehr tief. Das Tauernhaus ist top ausgebaut und so können wir uns am Nachmittag in der Sauna aufwärmen. Das Abendessen ist deftig und sehr gut.

 

Krimmler Tauernhaus

Krimmler Tauern

Schneebedeckte Berge über der Prastmann Alm
Prastmann Alm

Spannung am nächsten Morgen. Mist der Wetterbericht hat Recht behalten, es hat fast bis zum Tauernhaus runter geschneit. Nach dem sehr leckeren Frühstücksbuffet meint der Hüttenwirt, wir sollten nicht über den Krimmler Tauern gehen, es ist zu gefährlich. 30 cm Neuschnee, Nebel, da findet man den Weg nicht. Die nette Schwiegertochter sucht uns die Bus- und Bahnverbindungen raus, puh, wir werden den ganzen Tag für die Umfahrung brauchen, aber es ist machbar.

 

Es regnet immer noch. Erst mit dem Hüttentaxi zum Parkplatz Wasserfälle. Postbus zum Bahnhof Krimml. Pinzgaubahn bis Mittersill. Hier haben wir 2 Stunden Aufenthalt. Netterweise ist gerade Strudelfest. Wir setzen uns ins Cafe, essen erst einen Eierschwammerlstrudel, dann einen Apfelstrudel und spielen Schach. Am Bahnhof steigen wir in den Postbus, der über den Felbertauern nach Lienz fährt. Hier ab in den Zug nach Bruneck. Dort vor dem Bahnhof in den Bus, der ins Tauferer Ahrntal fährt. Es wird Abend, als wir hinten in Kasern aussteigen.

 

Wir müssen noch eine Viertelstunde wandern, dann sind wir an der Alm, die uns im Heu übernachten lassen wollte. Tja, alles finster. Niemand mehr da. Manche Tage sind echt anstrengend, also wieder nach Kasern marschieren und beim ersten B&B klingeln. Ja, für eine Nacht ist noch ein Zimmer frei. Perfekt. Das Zimmer ist wunderbar und das Frühstück am nächsten Morgen auch. Die Hausleute sind sehr nett.

 

Haus Steger

St. Jakob

Blick zurück in den Talschluss
Talschluss

Wir beginnen den Tag mit einem Besuch in dem Wallfahrtskirchlein Heiligen Geist.

Sie ist unter einen Felsen gebaut, der sie vor Lawinen schützt. Dieser wurde früher als sogenannter Schliefstein genützt. Wer darunter durchkroch, streifte nach allgemeiner Überzeugung seine Sünden ab. Wir haben das auch gemacht. Zunächst ist der Weg gar nicht beschildert, es gibt auch so gut wie keine Beschreibung, weder online noch als Buch. Ich habe mir von der Kompass Online Wanderkarte entsprechende Ausdrucke gemacht. Das sollte jeder tun, sonst ist der Weg nicht auffindbar.

 

Bis Prettau gehen wir am Morgen auf der Landstraße, die beiden ersten Tunnel kann man außen umgehen. Dann gehen wir hoch zum Kirchlein St. Maria bei einem wunderschönen alten Hof. Wir hatten Glück, dass der Besitzer da war und uns den Weiterweg beschreiben konnte. Am Kirchlein vorbei, gerade die Wiese hinunter, bei der Holzhütte links abbiegen und dann runter zur Stegerbrücke. Wieder ein wunderschönes altes Haus, die Besitzern erzählt uns, dass wir wieder auf der Straße gehen müssen, denn der obere Weg ist vor Jahren von einer Mure verschüttet worden. Beim dritten Tunnel gibt es keine Möglichkeit, ihn zu umgehen, das ist nicht ungefährlich. Während wir rundherum blicken, um eine Alternative zu finden, entdecken wir auf der rechten Seite ein Schild mit der Jakobsmuschel. Der Weg schlängelt sich nun schmal den Hang hinauf und weiter über einen schönen Wiesenweg nach St. Peter.

 

Der jetzige Streckenabschnitt bis St. Jakob ist wunderbar mit der Jakobsmuschel ausgewiesen.

Weissenbach

schöne Kapelle auf dem Weg nach Weissenbach
Kapelle am Wegesrand

Gestern hatten wir einen wunderbaren, sonnigen Tag, heute regnet es leider wieder so vor sich hin.

Und es gibt keine Jakobsmuscheln mehr, wir müssen mit der dürftigen Beschreibung und der Wander-karte zurechtkommen. Erst geht es auf dem Leonhardiweg zum Sunnsatweg, dem wir lange Zeit folgen. Es geht zum Teil steil auf und ab. Wir kommen am Platterhof vorbei und machen Pause auf der Stallila. Schöne Berghütte, guter Kaiserschmarrn. Man kann sich auch an den Schildern mit der Beschriftung 7-Brücken-Weg orientieren. An der Schwarzbachalm fragen wir nach dem weiteren Weg, aber wir finden keine Beschilderung und die Wege sehen mehr wie Kuhtrampelpfade aus und so landen wir schließlich wieder auf der Forststraße unterhalb der Schwarzbachalm. Wir sind schon viele Stunden unterwegs, daher halte ich einfach das nächste Auto an. Die junge Frau erklärt uns den Weg und es klingt weit, sehr weit. Als sie uns anbietet, uns mitzunehmen, sind wir erleichtert. Sie fährt uns bis zum Gasthof, wo wir heute nächtigen.

Gornerjoch – Mühlwald

Aussicht vom Gornerjoch
Gornerjoch

Der Wirt erklärt uns den Weg abseits der Straße, über den Kräuterweg münden wir ein auf den Weg zur Pircheralm. Der ist gut gekennzeichnet, ebenso der Weg zum Gornerjoch. Ein wunderbarer Bergweg, ohne Schwierigkeiten. Es ist trocken heute, aber nicht sonnig, trotzdem haben wir eine gute Fernsicht. Am Joch ist es frisch. Wir nehmen den Weg Nr. 25 bis zum Steiner und weiter auf dem 25 B dieser ist erst mal eine gute Forststraße. Dann wird die Beschilderung wieder schwieriger und beim Hausgruber zweifeln wir, ob wir richtig sind. Der Bauer spurtet vom Feld herauf und erklärt uns den Weiterweg. Erst mal hinter seinem Haus den Pfad hoch, über den schmalen Wiesenpfad zum Wald und da ist der Weg wieder gut erkennbar, aber nicht markiert. Schließlich kommen wir in Mühlwald raus und müssen nur noch unsere Pension suchen. Die Hausleute sind ganz liebe Menschen, der Hausherr fährt uns mit dem Auto zur Pizzeria, weil es mal wieder regnet.

 

Haus Kristall

Bruneck

Blick zurück nach Mühlwald
Mühlwald

Heute wollen wir uns nicht mehr in einem Auf und Ab zerschleißen und gehen erst mal 4 km auf der Hauptstraße, das ist lästig, aber schnell. Dann gibt es auf der rechten Seite eine kleine Klamm vom Mühlwalder Bach. Hier biegen wir auf die kleine Seitenstraße ein und kommen auf schönem Weg nach Mühlen. An der Bäckerei vorbei (wir können das Hausgebäck empfehlen) rechts runter zum Fußballplatz. Hier gibt es versteckt eine Holzbrücke über die Ahr. Nun ist der Weg einfach, immer auf dem Ahrweg bleiben bis Bruneck.

 

Wir wohnen außerhalb in Reiperting bei Oberheinricher. Das Zimmer ist neu renoviert, sehr gemütlich, ein toller Balkon. Unsere Füße sind kaputt, ich habe Blasen. Die Sonne scheint und es ist so schön hier. Der Hausherr hat Bier für uns und wir bestellen uns beim Pizzadienst ein leckeres Abendessen und genießen den schönen Abend.

 

Oberheinricher B&B

Heimreise

Die Blasen schmerzen und ich finde es großartig, dass uns der Hausherr zum Bahnhof fährt. Wer jetzt glaubt, alles ist gut, der irrt. Wer Bahn fährt, kann etwas erleben, wir müssen 3 x umsteigen an diesem Tag und jeder der Züge hat Verspätung, so verpassen wir unseren Zug nach Rosenheim und müssen 2 Stunden warten, bis der nächste kommt. Aber dann haben wir es geschafft.

Fazit

Das Wetter ist der größte Risikofaktor auf einer solchen Tour. Aber man darf nicht leichtsinnig sein und starr am Programm festhalten, dann muss eben umdisponiert werden. Auch das ist Jakobsweg, einen Umweg in Kauf nehmen, flexibel sein und neue Wege nehmen.

Die zweite Herausforderung war die fehlende Markierung, eine Karte ist superwichtig. Und wenn man Menschen trifft, immer nachfragen.

Die Leute im Ahrntal waren alle supernett und hilfsbereit.

In den kleinen Orten ist es nicht einfach mit den Gaststätten oder Einkaufsgelegenheiten, schon mal vorab auf der Karte anschauen.

Dieser Weg war eine größere Herausforderung als gedacht, wir sind gerüstet für Weg im kommenden Jahr.

 

Bei Fragen könnt ihr mich gerne auf Instagram kontaktieren: Berggeli